Bezahlbarer Wohnraum bleibt in Deutschland knapp. Die aktuellen Zahlen zeigen ein widersprüchliches Bild: Es werden wieder mehr Wohnungen genehmigt, aber weniger fertiggestellt. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Statistiken für 2026 ein und erklärt, warum eine Entspannung noch auf sich warten lässt.
Wie groß ist die Lücke?
Nach einer Schätzung des Pestel-Instituts fehlen bundesweit rund 1,35 Millionen Wohnungen. Der Verband ZDB beziffert den jährlichen Neubaubedarf auf 320.000 Wohnungen. Diese Größenordnung wird seit Jahren verfehlt.
Wer sich über Zusammenhänge rund um Immobilien, Wohnungsmarkt und Eigentum einen breiteren Überblick verschaffen möchte, findet auf dem Immo-Kompendium ergänzende Hintergrundinformationen. Hier folgen zunächst die harten Zahlen.
Fertigstellungen auf dem tiefsten Stand seit über einem Jahrzehnt
Im Jahr 2025 erreichten die Fertigstellungen mit nur 206.600 Einheiten den niedrigsten Stand seit 2012, ein Rückgang von 18 Prozent. Bei Mehrfamilienhäusern wurden 109.800 Wohnungen fertiggestellt, 18,9 Prozent weniger als im Vorjahr.
Für 2026 sieht es nicht besser aus. Das ifo Institut rechnet für 2026 nur mit 185.000 neuen Wohnungen, für 2027 mit 205.000 und für 2028 mit 215.000. Andere Branchenstimmen gehen von rund 200.000 Fertigstellungen aus. Egal welche Prognose man heranzieht: Der Bedarf von 320.000 Wohnungen pro Jahr wird deutlich unterschritten.
Baugenehmigungen: Ein Lichtblick mit Einschränkungen
Bei den Genehmigungen gibt es erfreulichere Nachrichten. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Statistischem Bundesamt Baugenehmigungen für 126.300 Wohnungen erteilt, 15,1 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Von Januar bis Juli waren es rund 148.800 Wohnungen, ein Zuwachs von 12,9 Prozent. Allein im Juli 2026 wurden Genehmigungen für 22.500 Wohnungen erteilt.
Diese Entwicklung ist ein positives Signal, aber noch keine Trendwende. Für die Fertigstellungen 2026 sind laut einer Marktanalyse die schwachen Genehmigungsjahrgänge 2023 und 2024 ausschlaggebend, deren Auswirkungen zeitverzögert sichtbar werden. Eine Genehmigung ist außerdem noch keine fertige Wohnung.
Der Bauüberhang: Genehmigt, aber nicht gebaut
Ende 2025 gab es einen Bauüberhang von 760.700 genehmigten, aber nicht fertiggestellten Wohnungen. Das ist ein enormer Vorrat, der aber nicht automatisch abgebaut wird. Viele Projekte scheitern an Kosten, Finanzierung oder fehlender Nachfrage. 2025 erloschen Genehmigungen für 35.700 Wohnungen, so viele wie seit 2002 nicht mehr.
Der Immobilienverband IVD verweist laut einer Marktübersicht auf die Lücke zwischen genehmigten und tatsächlich gebauten Wohnungen. Die Branche leide unter mangelnder Nachfrage, hoher Stornierungsquote und Engpässen bei der Materialversorgung.
Regionale Unterschiede: Das Beispiel Berlin
Der Wohnungsmangel trifft nicht alle Regionen gleich. In Berlin sank die Zahl der fertiggestellten Neubauwohnungen 2025 um 28 Prozent auf 11.027 Einheiten. Gerade in Ballungsräumen, wo Nachfrage und Preise am höchsten sind, wirkt sich der Einbruch besonders stark aus.
Gleichzeitig können Leerstand und Wohnungsmangel nebeneinander bestehen. Denn kleinere Haushalte, demografische Entwicklungen und Wanderungsbewegungen verändern den Bedarf. Es fehlen Wohnungen vor allem dort, wo Menschen leben und arbeiten wollen, nicht unbedingt überall.
Was bedeutet das für Mieter, Käufer und Eigentümer?
Die Zahlen lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:
- Mieter: Bei anhaltend zu geringem Neubau bleibt der Druck auf die Mieten in gefragten Lagen hoch.
- Kaufinteressenten: Das knappe Angebot stützt die Nachfrage nach Bestandsimmobilien, während Finanzierungs- und Baukosten die Bezahlbarkeit begrenzen.
- Eigentümer und Investoren: Steigende Genehmigungen sind ein Hoffnungszeichen, doch Kosten, Zinsen und Planungsrisiken bremsen viele Projekte weiter.
- Kommunen und Politik: Entscheidend ist, ob aus genehmigten Projekten tatsächlich gebaute Wohnungen werden.
Ausblick: Erholung frühestens ab 2027
Branchenvertreter erwarten, dass sich die Lage frühestens 2027 langsam bessert. Das hängt davon ab, ob die höheren Genehmigungszahlen in tatsächliche Bauaufträge münden. Solange Baukosten, Zinsen und Auflagen die Wirtschaftlichkeit belasten, dürfte die Lücke zwischen Bedarf und Angebot bestehen bleiben.
Fazit
Die Statistiken zur Wohnungsknappheit 2026 zeichnen ein klares Bild: Bei Genehmigungen geht es aufwärts, bei Fertigstellungen noch abwärts. Die Lücke von rund 1,35 Millionen Wohnungen schließt sich nicht kurzfristig. Wer Entwicklungen verfolgen möchte, sollte auf die Fertigstellungszahlen achten, nicht nur auf die Genehmigungen.
Weiterführende Quellen
Aktuelle Daten zu Baugenehmigungen und Fertigstellungen veröffentlicht das Statistische Bundesamt (Destatis). Prognosen zur Entwicklung des Wohnungsbaus bietet das ifo Institut.
